Immer wieder heißt es, es gebe eine mächtige Ärztelobby (nämlich die Kassenärztliche Vereinigung). Den wahren Auftrag dieser Vereinigung hat jetzt Gesundheitsministerin Schmidt enthüllt:
Wer die Kassenärztlichen Vereinigungen abschaffen will, muss sagen, wer sonst den Rechtsanspruch der Versicherten auf ambulante Behandlung zu jeder Tages- und Nachtzeit durchsetzen will.
Nochmal zum Mitschreiben: die Kassenärztlichen Vereinigungen setzen also den Rechtsanspruch der Kassenpatienten auf ambulante Versorgung durch. Rund um die Uhr. Sogar gegen den Rechtsanspruch auf adäquate Bezahlung der in ihrem Namen tätig werdenden Ärzte. Oder haben Sie schon mal einen KV-Mitarbeiter in der Patientenversorgung erlebt?
Für Lauterbach steht jedenfalls fest: "Die Ärzte in meinem Wahlkreis werden sich diese Plakate nicht aufhängen."
Welche Plakate? Die hier:
Möglicherweise verfügt Herr Lauterbach ja über Druckmittel, um sich die Ärzte in seinem Wahlkreis gefügig zu machen. Aber ich bezweifle das. Ich gehe eher davon aus, dass Herr Lauterbach einer kognitiven Dissonanz unterliegt.
Die Aktion 15 lässt sich von Ihnen nicht beeindrucken:
Wir geben ausdrücklich keine Wahlempfehlung für eine bestimmte Partei ab, sondern einzig gegen die SPD, die seit mehr als acht Jahren die Gesundheitsministerin stellt und außerdem in Karl Lauterbach einen stets medienpräsenten Gesundheitspolitiker hat, der als Aufsichtsrat eines Klinikkonzerns von vielen als Architekt des Umbau des Gesundheitssystems zugunsten der Konzerne angesehen wird.
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am 25.10.2008: “Unser Einsatz bringt den niedergelassenen Ärzten in NRW 100 Millionen Euro mehr als eigentlich vorgesehen”.
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am 12.3.2009: Bei der Neuverteilung der ärztlichen Vergütungen sei kaum etwas in unserem Land angekommen – mit der Folge, dass einem Hausarzt in Westfalen für die „normale“ Behandlung eines Patienten pro Quartal gerade einmal 32 Euro zur Verfügung stünden.
Herr Laumann hat übrigens nichts zur Sicherung der fachärztlichen Versorgung gesagt. Scheint ihm gleichgültig zu sein.
"Es geht nicht, dass nur zählt, was aus dem Westen kommt, die DDR hatte neben vielen Schwächen auch ihre Stärken", legte der Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gestern im Gespräch mit unserer Redaktion nach. Als Beispiele nannte er die Betreuung in Kindertagesstätten, die Polikliniken und das Bemühen des Staates um Vollbeschäftigung.
Auch Gesundheitsministerin Schmidt ist bekennender Poliklinik-Fan, für sie sind solche Versorgungszentren gar "das Goldkörnchen" ihrer vorletzten Reform. "Wenn ich so was höre, werde ich wütend", tobt der Zahnmediziner Dr. Bernd Hübenthal, der zu DDR-Zeiten in einer solchen Poliklinik gearbeitet hat. Hübenthal erinnert sich beim Stichwort Poliklinik vor allem an Mangelmedizin und endlose Wartezeiten für die Patienten.