Update 20260110
Als ich noch Vertragsleistungserbringer war, stapelten sich bis zuletzt die Terminanfragen und ich hatte eine Vorlaufzeit von bis zu 4 Monaten. In den offenen Sprechstunden gingen die Warteschlangen manchmal bis auf die Straße. Und das, obwohl Wuppertal mit Psychiatern überversorgt sein soll.
In den letzten 15 Jahren haben sich dazu offenbar keine neuen Erkenntnisse ergeben:
Der GKV-Spitzenverband am 5.1.2026:
Gesetzlich Versicherte wünschen sich einen schnelleren Zugang zu Behandlungen in fachärztlichen Praxen.
Der GKV-Spitzenverband einen Tag später, am 6.1.2026:
Die Budgetierung hat sich als Steuerungsinstrument (...) bewährt.
Als Lösungsvorschlag präsentiert der Verband: die digitale Terminvermittlung und die eÜberweisung.
Und die mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) 2019 eingeführten Zuschläge für die fachärztliche Versorgung sollen abgeschafft werden.
Um das Ganze (gerade für psychisch Kranke) noch umständlicher zu machen: Sie sollen nur noch mit Umweg über den Hausarzt zum Facharzt gehen können. Koordination und obligate Steuerung nennt man das dann (aend 26.10.2025; paywall).
Als Sahnehäubchen vielleicht noch mal den Fehler mit der "Praxisgebühr" machen?
Mit diesem bürokratischen Unfug ohne Bezug zur Ursache des Problems wird man die Terminschwierigkeiten ganz bestimmt NICHT in den Griff kriegen (wie schon 2018). Die nach wie vor bestehende Budgetierung (eine gesetzlich festgeschriebene Mengenbegrenzung), die seit Jahrzehnten politisch gewollte Rationierung durch Wartezeiten, ist das eigentliche Problem.
Schon 2008 wusste Gesundheitsökonom Wasem (aend 15.10.2008; paywall):
"Ohne jegliche Rationierung wäre überhaupt kein Gesundheitswesen denkbar." Weil im Gesundheitswesen keine reine Marktwirtschaft möglich sei, blieben nur zwei Möglichkeiten: "explizite Rationierung, indem die Gesellschaft nützliche Leistungen aus dem Katalog der GKV herausnehme. Oder implizite Rationierung, bei der ökonomische Anreize die Leistungserbringer zu einer Auswahl bewegten. Wir können nicht ganz auf die implizite Rationierung verzichten."
2026 meint der Gesundheitsökonom Drabinski (aend 9.1.2026, paywall):
Primärversorgungsmodelle lösen kein einziges strukturelles Finanzierungsproblem der GKV. Sie verschieben lediglich die Nachfrage – zeitlich und organisatorisch. Was politisch als Steuerung etikettiert wird, ist ökonomisch nichts anderes als Rationierung durch Warteschlangen.
Schlechte Karten - IT-Sicherheit im Jahr null der ePA für alle (Link zum Video via CCC)
Über die Selbstzerstörung des Journalismus:
Warum werden offensichtliche Lügen so verbreitet, dass sie bei bislang uninformierten Leserinnen und Lesern oder Zuschauerinnen und Zuschauern den Eindruck erwecken, die Urheber könnten womöglich die Wahrheit sagen?
Das Altpapier am 9. Januar 2026: Lügen haben lange Beine. MDR 9.1.2026
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