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Noch eine Bankrotterklärung der KVNo

Zum 3. Quartal 2009 wurden die psychiatrischen Gesprächsleistungen zu unbegrenzt abrechenbaren, freien Leistungen.  Im Gegenzug wurde zwar das Regelleistungsvolumen brutal gekürzt, aber das ist ein anderes Thema. Ich hatte seinerzeit den Verdacht, dass das nicht lange gut gehen würde.

Und es hat tatsächlich nicht lange gedauert, bis die neue Punktwertlotterie in Gang gesetzt wurde. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein ließ im Dezember 2009 verlauten:

Korrekturen an den Regelleistungsvolumen: Kontingente für die freien Leistungen

Um die Fallwerte zu stabilisieren, haben Krankenkassen und KV Nordrhein die Abrechenbarkeit der freien Leistungen im 4. Quartal 2009 beschränkt.

Dies dürfte das Ende der unbegrenzt mit dem Orientierungspunktwert bezahlten freien Leistungen bedeuten.

Bis 21. Dezember entscheidet im Zweifel der erweiterte Bewertungsausschuss unter Vorsitz von Prof. Jürgen Wasem als unparteiischem Vorsitzenden, mit welcher Variante der Mengenbegrenzung die Praxen bis 2012 rechnen müssen.

Die Befreiung der psychiatrischen Gesprächsleistungen hat also gerade mal drei Monate gehalten. Jetzt kommt eine neue Regelung für das 4. Quartal, die schon im Dezember bekannt gegeben wird. Nachdem das Quartal bereits gelaufen ist. Das ist doch nicht legal, oder etwa doch?

Statt "Variante der Mengenbegrenzung" müsste es übrigens "Einschränkung Rationierung der Patientenversorgung" heißen.

Ja, was denn jetzt?

Die KommentatorInnen der WZ sollten sich mal untereinander abstimmen. Da schreibt die eine Kommentatorin:

Wenn Ärzte für Einweisungen Geld erhalten, dann steht im Zweifelsfall nicht das Wohl des Patienten im Vordergrund,

Da ist was dran.

Aber nur eine Seite weiter schreibt dann ein anderer Kommentator:

Do ut des (lateinisch: Ich gebe, damit Du gibst) gehört zu den Prinzipien jeden sozialen Miteinanders

Ja, was denn jetzt?

Ausserdem sollte Herr Laumann, der "Fangprämien" künftig bestrafen will, seine eigene Position einmal reflektieren. Immerhin ist er einer derjenigen, die auf diversen Veranstaltungen so gern von der modernen Gesundheitswirtschaft träumen. Und in der Wirtschaft, wie in der Politik, sind Tauschgeschäfte doch an der Tagesordnung. Sie haben wohl nicht ganz zu Ende gedacht, Herr Laumann, was so alles passiert, wenn man die Medizin ökonomisiert.

Disclaimer: Ich habe noch nie von den im Rahmen der sektoralen Pflichtversorgung ohnehin zur Aufnahme verpflichteten Kliniken irgendwelche Fangprämien erhalten. Nur, damit das klar ist.