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Reform oder ein Fall für die Psychiatrie?

Im WDR bespöttelt ein Zungenredner das Inkrafttreten des Gesundheitsmurks zum 1.4.2007: alles wird teurer und die Menschen werden immer verzweifelter. Die Reform sei gar keine Reform, sondern Wahnsinn. Ohnehin könne man die Gesundheit nicht reformieren, allenfalls ruinieren. Wer den ganzen damit zusammenhängenden Wortmüll verdauen wolle, sei schnell ein Fall für die stationäre Psychiatrie. Dort könne man dann den Systemzusammenbruch, der das eigentliche Ziel der Gesundheitsreform sei, erleben.

Na ja, den letzten Satz habe ich etwas verfälscht. Ansonsten kann ich als Fachmann nur zustimmen.

Warum ich nicht mehr arbeite?

In der vergangenen Woche hatten zahlreiche Arztpraxen geschlossen. Hat jemand unsere Beweggründe verstanden?

Warum ich nicht mehr arbeite? Weil ich nicht mehr davon leben kann, obwohl mein Wartezimmer ständig voll ist. Unvorstellbar? Aber Realität.

Sie wollen Zahlen, Daten, Fakten? Ok.
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Geißeln niedergelegter Entscheidungen

Ein ernstes Thema: Patientenverfügungen. Heute schon zu wissen, welche Henkersmahlzeit ich in der Stunde meines Todes gerne hätte. Trickig.

Politiker machen daraus witzigerweise Folgendes:

Der SPD-Abgeordnete René Röspel will die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen einschränken und fordert Grenzen für die Selbstbestimmung. Er fürchtet, dass Kranke zu Geißeln ihrer niedergelegten Entscheidungen werden.

Soso. Geißeln. Ehrlich: ich zweifle immer mehr an der Kompetenz unserer Führungselite und komme zu dem Schluß, daß es sich möglicherweise um polymorph perverse Fetischismen handeln könnte.

Bundespräsident kassiert Gesundheitsreform

Nicht erschrecken: das darf der gar nicht. Und sooo verfassungswidrig ist das Ganze ja offenbar nun auch wieder nicht. Auch, wenn Frau Ferner anlässlich der Plenardebatte am 2.2.2007 gesagt hat:

Lassen Sie uns dieses Gesetz heute beschließen, und anschließend genau schauen, was drinsteht.

Erst schießen, dann fragen. Oder wie?

Das Ding ist eine Missgeburt. Löst kein einziges Problem, liefert aber einen Haufen neue: mehr Bürokratie, mehr Sparmedizin, mehr Billigpillen und weniger Ärzte.

Geiselnehmer vor Gericht

Neulich bezeichneten die Gesundheitsministerin und ein "Gesundheitsexperte" Ärzte als "Geiselnehmer". Weder Bundesärztekammer, noch Kassenärztliche Vereinigungen sahen sich veranlaßt, dagegen einzuschreiten. Also mußte die Basis selbst aktiv werden.

Ein Kollege hat Klage eingereicht, weil er der Auffassung ist, mit solchen Vergleichen würden protestierende Bürger mit Schwerverbrechern gleichgesetzt. Darin sieht er eine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Die Sache wird heute vor dem Oberlandesgericht erneut verhandelt.

Vermutlich muß er 15.000 Euro dafür bezahlen - Recht zu bekommen wird eben immer teurer.

Allein gegen Ulla Schmidt ::: Südkurier 23.3.2007