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Das System ist schwer krank

BÜRGER TRAUERN UM DIE GESUNDHEITSVERSORGUNG
EINE AKTION DER FREIEN ÄRZTESCHAFT ZUR VERABSCHIEDUNG DES GESUNDHEITSKOMPROMISSES

Trauer um die Gesundheitsversorgung

Die Gesundheit geht alle an, das ganze Volk ist betroffen.

Protest und Widerstand gegen die „Gesundheitsreform“ kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft. Selbst Parlamentarier äußern unverhohlen ihre Abneigung gegen dieses Flickwerk zentralistischer Fehlsteuerung. Erneut wird der längst notwendige Neuanfang und Kurswechsel in der Sozialpolitik unterlassen. Damit wird eine neue Phase des Protests und des Widerstandes eingeleitet.

Die Freie Ärzteschaft ruft alle Patienten und Bürger vom 31. Januar bis zum 2. Februar 2007 auf zur Aktion:

"Deutschland trauert um das Gesundheitswesen"

An diesen Tagen soll in der zweiten und dritten Lesung das "Wettbewerbsstärkungsgesetz" behandelt und vom Bundestag verabschiedet werden. Während dieser Beratungstage und am Tag der Gesetzesverabschiedung tragen Menschen in Deutschland in der Öffentlichkeit ein Zeichen der Trauer. In Arztpraxen und Apotheken sollen Trauerschleifen verteilt werden und Etiketten, auf denen steht:

"Diese Gesundheitsreform schadet allen. Ich bin dagegen."

"Das System ist schwer krank" vollständig lesen

Horchen Sie auf Ihr Gewissen!

Ein Stethoskop für jeden Bundestagsabgeordneten:

Gesetz schon bei der Geburt schwer krank.

Die Freie Ärzteschaft hat jedem Bundestagsabgeordneten ein Stethoskop geschenkt: "Wir fordern die Abgeordneten auf, noch einmal intensiv in sich hineinzuhorchen, ob dieses Gesetz nicht schon bei der Geburt schwer krank ist", sagt Martin Grauduszus, Präsident der FÄ. Noch sei es Zeit, eines der schlechtesten Gesetzeswerke der Nachkriegsgeschichte durch eine demokratische Abstimmung ad acta zu legen und den Weg für einen Neuanfang frei zu machen.

Insbesondere das System der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung werde durch die Gesundheitsreform ohne Not zerstört, warnt Grauduszus. An anderen Stellen werde durch schlichte Verbal-Kosmetik nur vorgetäuscht, dass sich etwas ändere. Die Stethoskope sollen die Abgeordneten als symbolische Arbeitshilfe betrachten – die FÄ fordert die Parlamentarier auf:

Horchen Sie mit dem Stethoskop zunächst auf Ihr eigenes Gewissen.

Untersuchen Sie dann, was unsere Patienten - Ihre Wähler - bedrückt (mehr Rationierung, Wartelistenmedizin, staatliche Bevormundungsmedizin).

Hören Sie, wie Ärzte der Basis und Patienten über eine Reform urteilen, die bekanntlich kein einziges der drängenden Probleme der GKV lösen wird (Unterfinanzierung, Demographie-Problem, Fortführung der Budgets unter anderem Namen).

"Uns Ärzte bewahrt das Stethoskop jeden Tag vor Fehldiagnosen und falschen Behandlungen. Möge es Ihnen die gleichen Dienste tun", wünscht Grauduszus den Abgeordneten.

Freie Ärzteschaft 29.1.2007

Ärzte mahnen Laumann zur Pflichterfüllung

In einem Artikel der Rheinischen Post mahnt NRW-Gesundheitsminister Laumann (CDU) Mediziner, ihre Pflicht zu erfüllen. Der Pflegerat in Person von Frau Müller wirft Ärzten gar einen "Verstoß gegen den Hippokratischen Eid“ vor, wenn sie Pflegeheimbewohner nicht besuchen.

Die ''Ermahnung'' des Herrn Laumann stellt die Realität auf den Kopf und der von Frau Müller geäußerte Vorwurf eines ''Verstoßes gegen den Hippokratischen Eid“ ist nichts anderes als eine Polemik, die die Ursachen von Versorgungsnotständen fälschlich bei der einzigen Berufsgruppe ansiedelt, die mit täglicher Arbeit gegen diese Notstände ankämpfen.

Mit der gleichen Argumentation könnte ich beim nächsten Stromausfall meine Glühbirne für die Dunkelheit verantwortlich machen, statt mich an den Energieversorger zu wenden.

Realiter stellt das Gesundheitssystem schon seit längerem keine ausreichenden Mittel mehr zur Versorgung von Heimbewohnern zur Verfügung.

Realiter sind die beklagten Versorgungsnotstände Ergebnis des erklärten politischen Zieles, die ambulante ärztliche Versorgung auszutrocknen.

Realiter subventionieren Ärzte das marode System mit einer jährlichen ''Muskelhypothek'' in Höhe von knapp 8 Milliarden Euro.

Realiter wurde in zähen Verhandlungen mit den Krankenkassen zwar eine Vergütung von 0,779 €/min festgelegt, aber es werden nur 0,375 €/min tatsächlich bezahlt - das sind 48%!

Bitte, lieber Pflegerat: weiter die Ethikkeule schwingen. Aber, bitte, in Richtung Berlin. Und bitte, Herr Laumann, drängen Sie weiter auf Pflichterfüllung und sorgen Sie auf politischer Ebene dafür, daß Verträge auch eingehalten werden. Sie werden die gewünschte Dienstleistung erst dann erhalten.

Gleichschaltung

Zullassungsverzicht!Das Arbeiten mit dem Sozialgesetzbuch ist nachgerade zu einer Qual geworden.

Das einzig und allein ethischen Normen gehorchende Arzt-Patient-Verhältnis wird aufgelöst und unversehens zur Beute einer »öffentlichen Aufgabe«, die von einer Art ärztlicher Ordensgemeinschaft, der Reichsärztekammer in treuer Komplizenschaft mit der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands, zu bewältigen sei. In dieser »öffentlichen Aufgabe« verschwindet der Patient mit seinem individuellen Körper zu Gunsten eines übergeordneten »Volkskörpers«, dessen Gesunderhaltung die deutsche Ärzteschaft zu sichern hat.

Die traditionell bürgerlichen, von Freiberuflichkeit geprägten Ärzte gelten für das System als potenziell gefährlich. Missstände und Probleme im Gesundheitswesen könnten zu Unruhen führen und bedürfen deswegen der „Kontrolle“.

Nein.

Das hat nichts, aber auch gar nichts mit den aktuellen Verhältnissen, mit dem SGB V, oder mit lebenden Personen zu tun. Das ist Geschichte.

Strategische Fehler

Bei meiner Lebensplanung habe ich offensichtlich strategische Fehler gemacht.

Fehler #1: Ich bin Arzt geworden.
Fehler #2: Ich bin Psychiater geworden.
Fehler #3: Ich wende mich kranken Menschen zu.
Fehler #4: Ich habe keine reiche Frau geheiratet.

Zu Fehler #1:

Ich wär ja lieber Automechaniker geworden. Aber ich kann kein Öl sehen. 13 Jahre Schule. 6 Jahre Studium. 7 Jahre Facharztausbildung incl. Zusatztitel. Macht 26 verlorene Jahre. Wär ich mit 16 in die Lehre gegangen, hätte ich mit 19 meinen Meister machen können, ließe heute die Lehrlinge springen und würde Weihnachten auf den Bahamas verbringen. Ich könnte eine Familie ernähren (mit 47 eigentlich selbstverständlich, oder?).

Zu Fehler #2:

Chirurgen wissen nix, können aber alles. Internisten wissen alles, können aber nix. Pathologen wissen alles und können alles - bloß zu spät. Psychiater wissen nix und können nix. Sind gar keine richtigen Ärzte. Werden immer mit Psychologen verwechselt (2 von 3 Überweisungen). Psychiater haben keine Lobby (so wie ihre Kunden). Psychiater stehen am Ende der ärztlichen Einkommensskala. Ich muß bescheuert gewesen sein...

Zu Fehler #3:

Keine egotrippenden Arztgattinnen. Keine neurotischen Lehrer. Keine hypochondrischen Börsianer. Keine größenwahnsinnigen Politikerinnen. Nur derangierte Schizophrene. Verwahrloste Säufer. Blutende Borderliner. Negative Risikoselektion eben. High energy, high demand. Arzt (Ursprungsfehler).

Zu Fehler #4: Ist noch das Geringste. United we stand.

Bilanz: Zeit für einen Reset. Korbmodell ab Montag. Sind Sie dabei?