Zur Entwicklung von politischen Entscheidungsprozessen ein Artikel im Handelsblatt (24.2.2006). Hat nicht direkt mit der Gesundheitspolitik zu tun, aber ... lesen Sie selbst:
Der politische Druck war viel zu groß.
Ein ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung sagt nämlich: Die (...) Entscheidungen (...) waren ökonomisch grundfalsch, politisch aber unausweichlich.
Politikern werde oft vorgeworfen, mit ökonomischer Unvernunft zu handeln. Die Kritik sei berechtigt, und auch wieder nicht. Aus ökonomischer Sicht seien viele Entscheidungen zwar entsetzlich falsch, doch die Regierung könne nicht anders handeln.
Die Bedingungen, die festgeklopft würden, seien nicht wirtschaftlich motiviert, sondern entsprängen dem engen Zeitfenster.
Im Nachhinein könne man sagen, die Politiker seien beratungsresistent. Der Sachverständigenrat habe seine Ratschläge ökonomisch begründet und sei auf Wohlwollen gestoßen – aber das Gegenteil dessen sei umgesetzt worden.
Experten ran: Kann man das psychopathologisch beschreiben?
SPD-Bundestagsabgeordneter Lothar Binding findet die "Kampagne einiger Ärzte und deren Verbände" gegen die im Entwurf zum Arzneimittelverordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz aufgeführten Tagestherapiekosten unverständlich. In einer Pressemitteilung verweist der Politiker auf die Vorzüge der "daily defined dose" (DDD)
Eigentlich heißt das "defined daily dose", aber egal. Der Mann hat ohnehin nur wenig Ahnung. Baumgärtner (Medi Deutschland) hat schon die passende Antwort darauf:
DDD eignen sich nämlich nicht zur Wirtschaftlichkeits- und Effizienzkontrolle:
"The ATC/DDD system by itself is not suitable for guiding decisions about reimbursement, pricing and therapeutic substitution. The classification of a substance in the ATC/DDD system is not a recommendation for use, nor does it imply any judgements about efficacy or relative efficacy of drugs and groups of drugs."
Ärzte kritisieren Frau Schmidt. Und die kann nicht aus ihrer Haut:
"Sie kritisierte zugleich die Ärzte-Demonstrationen für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Aus Sicht der Ministerin wurde mit einigen der Protestschilder eine Grenze überschritten. „Was ich schlimm fand, waren Plakate wie 'Operiert euch doch selber' oder 'Wer Praxen platt macht, tötet Menschen'.“ Hier werde mit der Angst von Patienten gespielt, rügte Schmidt."
Als Ex-Lehrerin darf sie das wohl. Dabei waren die Proteste nur der Anfang. Vielleicht gibt's als nächstes einen Tadel? Oder einen Eintrag ins KV-Buch?
Entzugserscheinungen und Anomalien im Atmungsbereich häufiger
Vorgeburtlicher Kontakt mit bestimmten Antidepressiva scheint das Risiko Neugeborener für Entzugserscheinungen und Anomalien im Atmungsbereich zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis sind zwei neue Studien gekommen. Der Einsatz von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) bei schwangeren Frauen erhöhte laut einer Studie der University of California das Risiko einer pulmonalen Hypertonie bei Neugeborenen um 600 Prozent. Die Wirkung dieser Antidepressiva beruht auf der Erhöhung der Verfügbarkeit des chemischen Botenstoffes Serotonin im Körper.
Die Studie des Schneider Children's Medical Center of Israel hat nachgewiesen, dass fast ein Drittel der Kinder, deren Mütter SSRI eingenommen hatten, kurz nach der Geburt Entzugserscheinungen wie ein Weinen in hoher Tonlage, Zittern, Probleme im Magen-Darm-Bereich und Schlafstörungen aufwiesen. 13 Prozent der 60 Neugeborenen, die mit diesen Antidepressiva in Kontakt gekommen waren, zeigten schwere Entzugserscheinungen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine veröffentlicht.