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Mail an AOK-Chef Ahrens

Im Deutschlandfunk meinte Ahrens heute:

Es dürfe nicht sein, dass die zehn Prozent Privatversicherten besser versorgt würden. Und darüber hinaus nagten die Ärzte in Deutschland im internationalen Vergleich nicht am Hungertuch.

Mehr Details dazu auf Facharzt.de.

Nachdem Kollege Fischer Herrn Ahrens eine Antwort darauf gemailt hat, habe ich seinen Text modifiziert und ebenfalls Herrn Ahrens geschickt:

Sehr geehrter Herr Ahrens,

ihr heutiges Interview im Deutschlandfunk hat bei mir großes Befremden ausgelöst. Sie behaupten in o.g. Interview, ich als Arzt müsse einsehen, daß ich GKV-versicherte Menschen bräuchte. Die Realität sieht anders aus: Ihre "Versicherten" brauchen mich.

Damit sie weiter versorgt werden, wenn sie, noch auf den Augenbrauen kriechend, aus der Klinik entlassen werden. Damit ihnen jemand zuhört, sie versteht und ihnen Hilfe anbietet, wenn sie von bösartigen Stimmen gequält werden. Sie brauchen mich für Verhandlungen mit ihrer Krankenkasse, wenn die ihnen die notwendige Behandlung vorenthalten möchte. Sie brauchen meine Unterstützung dabei, ihren Lebensmut und ihre Kraft zurückzugewinnen, um möglichst bald wieder arbeiten zu können. Schließlich kommen sie zu mir, statt ihr scheinbar unerträgliches Leben einfach zu beenden.

Und ich kann Ihnen bestätigen, daß "Kassenpatienten" in meiner Praxis auf dem gleichen fachlichen Niveau behandelt werden wie Private. Und daß bei mir Privatpatienten wie Kassenpatienten mittlerweile durchschnittlich sechs Wochen auf einen Termin warten müssen, weil die enorme Nachfrage meine persönliche Leistungsfähigkeit bei weitem übersteigt.

Ich hoffe, Sie sehen ein, daß nicht ich ihre Versicherten sondern umgekehrt diese mich benötigen. Damit ich die meiner Berufsehre entsprechende Arbeit für die bei Ihnen versicherten Patienten leisten kann, benötige ich umgekehrt Geld. Geld brauche ich zur Reproduktion meiner Arbeitskraft, um meinen Verpflichtungen gegenüber Staat und Familie nachkommen zu können und noch für ein paar andere Sachen, die jedoch anteilsmäßig nicht sehr ins Gewicht fallen. Ich fürchte folgerichtig nicht den Mangel an Arbeit - der wird bei realistischer Einschätzung der Lage sicherlich nicht eintreten. Ich fürchte den Mangel an Einkommen, den Sie - bei Krankenhausärzten indirekt über deren Dienstgeber, bei uns niedergelassenen Kollegen indirekt über die KV und direkt über die Privatliquidation - herbeiführen wollen.

So etwas macht man nicht unter Freunden. Unter fairen und verläßlichen Partnern auch nicht. Und ich fordere fair trade nicht nur für Kaffebauern in Bolivien, sondern auch für Ärzte in Deutschland.

Mit freundlichen Grüßen
:: Dr. med. Ewald Proll 
:: Mitglied der DGPPN

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